Bärenblut

Bärenblut

Lachse sprangen den Fluss hinauf.

Sie wanderten zurück zu ihrem Geburtsort, um dort ihre Eier abzulegen. Sie nutzten diesen Bergquell, um dorthin zu gelangen.

Doch ein Bär beobachtete sie.

Sein Vater hatte ihm gezeigt, wie man sie fängt. Wie man sie davon abhält, ihre Reise zu Ende zu bringen.                        Er musste an ihn denken. Und er musste daran denken, wie er seinen Vater das letzte Mal sah. Damals, noch vor dem letzten Winter, als ein Schuss die herbstliche Ruhe des Waldes störte.

Sein Vater konnte noch ein warnendes Knurren ausstoßen, bevor er zusammensank und für immer die Augen schloss.

Er hatte sich noch ein Mal umgedreht und seinem Vater in die toten Augen geblickt. Dann hatte er Menschen wahrgenommen und war geflüchtet. Noch bis heute bereute er das.

Als er seine Augen wieder öffnete, sah er wieder die Lachse. Dann stellte er sich vor, es wären Menschen. Und ganz plötzlich erfasste ihn eine Wut, die er nie zuvor gekannt hatte,

Er rannte los, brüllte und versuchte, einem dieser glitschigen Menschen das Herz herauszureißen. Er steigerte sich so hinein, dass er keinen Fisch zu fassen bekam, sie rutschten ihm einfach wieder aus den Tatzen, als würden sie ihm sagen wollen: "Du kriegst uns nicht! Wir haben deinen Vater getötet und dich kriegen wir schon auch noch!".

Aus dem Gebüsch kam seine Muttter angetrabt. Sie knurrte ihn an und drückte ihn schließlich von den Lachsen weg.

Missmutig bewegte er sich zum Ufer. Seine Wut hatte sich in letzter Zeit häufiger gezeigt, und insgeheim hatte er bereits den Beschluss gefasst, sich an den nächsten Menschen zu rächen, denen er begegnen würde. Er wusste, dass seine Mutter das niemals billigen würde, darum hatte er bereits geplant, aufzubrechen und sie zurückzulassen. Dies war SEIN  Feldzug und sie hatte damit nun wirklich nichts zu tun.

Wenige Tage später brach er auf, als seine Mutter bereits den Schlaf gefunden hatte. Er warf ihr einen Blick zu, ähnlich dem, den er auch seinem Vater zugeworfen hatte.

Er schlich die ganze Nacht durch den Wald, bis er dann einkleines Leuchten am Horizont entdeckte.

Aus derselben Richtung hörte er Geräusche, eindeutig menschlich.

Er schlich sich weiter an.

"Erinnerst du dich noch an das Riesen Vieh, das wir letztes Jahr erlegt haben?".

"Wie könnte ich das vergessen? Den ersten Braunbären, den ich je erlegt habe!".

"Es wird nicht dein Letzter gewesen sein. Wie ich gehört habe, soll es hier noch ein paar mehr von diesen Bastarden geben.".

Seine Augen verengten sich. Er hatte so lange auf diesen Augenblick gewartet, jetzt durfte einfach nichts schief gehen.

 

Ein Schussgeräusch zerfetzte die Luft. Sie wachte auf. Als sie sich nach ihrem Sohn umsah, erfasste sie Panik, denn: Er war nicht mehr da!

Voller Angst rannte sie in die Richtung, aus der der Schuss gekommen war.

Sie wusste nicht mehr, wie lange sie gerannt war, als sie die Lichtung betrat. Was sie dort sah, verschlug ihr den Atem.

Ihr Sohn stand dort, gebeugt über die Leichen zweier Menschen und beschnüffelte sie. Als er sie bemerkte, sah er sie voller Stolz an.

Ihr fiel ein Stein vom Herzen, denn er war unverletzt. Sie stupste ihn jedoch unsanft von den Leichen weg, als sie bemerkte, dass dies die Leichen der Menschen waren, die seinen Vater umgebracht hatten.

Ihr Gesicht verfinsterte sich und sie warf ihrem Sohn einen bösen Blick zu. Sie schnaubte und verließ die Lichtung.

Ihr Sohn, der sich mehr davon erhofft hatte, Rache zu üben, und den leise Reuegefühle befielen, senkte seinen Kopf und folgte ihr.

 

Die Leichen lehnten starr an einem Baum und schienen in das Lagerfeuer zu blicken. Dieses Feuer leuchtete rot und brannte noch sehr lange. Noch heute gehen Legenden um, dass dieses Feuer, dessen Rauch den Himmel verfinsterte, nie ausgegangen ist.


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