Der Alpenamokläufer

Der Alpenamokläufer 

Kurzbeschreibung: Felicio lebt in Liechtenstein und hat einen deutschen Brieffreund. Als der jedoch durch eine Klassenfahrt nach Liechtenstein kommt, gerät Felicios Leben etwas außer Kontrolle.

 Einleitung : Ich stelle erstmal alle vor, die mit dieser grausamen Geschichte zu tun haben. 

Hi!

 

Ich stelle mich zunächst erst einmal vor: ich heiße Felicio Frank. Ich heiße so, weil mein Vater Italiener war und meine Mutter Deutsche. Was mit ihnen passierte, erfahrt ihr noch früh genug.

Nun, kommen wir zu Lars. Er ist mein Brieffreund und kam zum Schulskikurs zu uns nach Liechtenstein. Wir wohnen nämlich da, in der Nähe von Vaduz, auf einem Berg namens Hexenhügel. Er ist ein bisschen groß für einen Hügel, aber was soll’s.

Zurück zu Lars. Er war so richtig fett und der totale Außenseiter bei den Deutschen (was ich erst nicht so richtig verstehen konnte – aber jetzt kann ich es).

Dann muss ich euch noch die „Hexenhügelindianer“ vorstellen. Es ist nicht etwa so, dass Indianer von Amerika zu uns übergesiedelt sind, nein. Das ist unsere Fußballmannschaft. Sie sind nie richtig weit gekommen. Aber jetzt weiter im Text. Ich hatte zu der Zeit eine Geliebte. Sie hieß Jana. Sie hatte schönes, rotes Haar und war vielleicht einen Kopf kleiner als ich. Niemand hätte geglaubt, dass ich so ne Streberin lieben würde. Es war aber wirklich so.

Das wars erstmal – viel Spaß beim Lesen!

 

 

1. Kapitel: Lars kommt zu uns, die Indianer

verlieren wieder und ich traue mich zum

ersten Mal an meine große Liebe ran.

 

An einem verschneiten Montagmorgen in den Winterferien wachte Lars sehr früh auf, denn er fuhr an diesem Montag nach Liechtenstein, also zu mir. Er verabschiedete sich nochmal von allen und fuhr dann mit dem Taxi zum Flughafen. Er musste allerdings noch im Flughafen mit seiner Klasse warten – das Flugzeug hatte Verspätung.

Doch drehen wir die Zeit erst einmal zurück. Da ich begeisteter Anhänger der Indianer war, ging ich am Sonntagnachmittag gegen 13 Uhr zum Spiel gegen Eintracht Mausburg. Das Absteigerduell beherrschten in der ersten Hälfte unsere Indianer, doch sie waren zu schwach, ein Tor zu schießen. Das taten die Spieler der Eintracht dann in der zweiten Hälfte. Kurzgesagt, wir verloren 12:0.

Als ob das nicht genug gewesen wäre – jetzt kam auch noch Jana dazu. „Was machst du denn hier?“ fragte ich sie.  Sie antwortete: „ Ich bin Fan der Eintracht! Und du?“ „ Ich auch!“. Ich glaube, jeder an meiner Stelle hätte geleugnet, dass er für die Indianer war.

„Kommst du heute mit Eis essen? Ich kenn da ne coole Diele!“ fragte sie mich. Ich glaube, die wollte mich um den Finger wickeln oder sie mochte mich wirklich (was ich eigentlich nicht glaubte). Ich sagte zu, weil ich mehr über sie wissen wollte.

Am Nachmittag waren wir also in der Diele verabredet. Gut, ich kam ein bisschen zu früh, also musste ich warten. 10 Minuten. 20 Minuten. Eine halbe Stunde. 1 Stunde. 2 Stunden. Um Mitternacht sah ich dann endlich ein, dass sie nicht mehr kommt und ging den Forderungen des Dielenbesitzers, der schon zwei Stunden hier rumbrüllte, dass ich die Bude verlassen sollte, nach.

Ich trottete langsam nach Hause, allerdings mit einem kleinen Umweg.

Ich sah nochmal bei Jana vorbei. Und was sah ich da? Jana, wie sie halbnackt (mit BH und Slip) meinem Freund (den ich hier jetzt nicht namentlich  erwähnen will, aber er wird Mikey genannt) ein Abschiedskuss gab. Deswegen stellte ich ihn zur Rede, als sie hinter der Tür verschwand. Er lachte nur und sagte: „Anscheinend steht sie doch nicht so auf dich!“. Dann ging er. Wohin? Wahrscheinlich zu seinem Drogendealer.

Sollte ich nun Jana zur Rede stellen oder nach Hause zu  meiner erbärmlichen Familie gehen?

Ich nahm allen Mut zusammen  und klingelte. Ich fragte sie, wieso sie nicht gekommen ist. Sie sagte (zum Glück nicht mehr halbnackt, sonst wäre ich spitz wie ein Bleistift gewesen): „Abschiedssex. Ich hab mich verleiten lassen. Dieses Schwein ist fremdgegangen. Es tut mir leid. Ich hab an dich gedacht, aber ich konnte nicht weg, bis ich...“. „Äh, bitte, verschon mich mit Details“. Sie lachte.

Dieses wunderschöne Lachen. Alles an ihr war einfach wunderbar. „Morgen noch mal dieselbe Diele? Aber wehe, wenn morgen noch einer von deinen Exmännern anklopft und Abschiedssex haben will!“ Sie lachte und gab ihr OK. Jetzt war ich endgültig davon überzeugt, dass sie mich will.

Am Nachmittag war ich also verabredet. Danach wollte ich mal zu Lars. Er und seine Klasse wohnten in einer Jugendherberge am Abhang des Berges.

 

 

 

2. Kapitel: In der Diele passiert etwas, was mein Leben verändert und in der Jugendherberge passiert etwas, was später alles andere verändert.

 

Ich zählte an dem Tag nur noch die Stunden bis zu dem Zeitpunkt, an dem ich mich mit Jana in der Diele traf. Ich bestellte Straciatella-, Zitronen- und Joghurteis. Sie bestellte Eis mit Vanille -, Erdbeer - und Zitronengeschmack.

Der Dielenbesitzer wäre fast in die Luft gesprungen, als ich wiederkam. Nicht vor Freude, versteht sich. Wir redeten über nichts, was die Welt bewegen würde.

Dann passierte es. Sie passte den magischen Moment ab und küsste mich. Ich wäre fast in Ohnmacht gefallen. Unsere Zungen ringten, dass die Wände wackelten. Der Wirt dachte wahrscheinlich: „ Oh Gott, wie romantisch! Der erste Kuss im Winter in einer Eisdiele in Liechtenstein. Naja, von irgendwas muss ich ja leben.“! Nach diesem wunderbaren Erlebnis (wir haben eine halbe Stunde gebraucht, bis der Wirt gesagt hat, dass wir ihm  die ganze Kundschaft vertreiben würden, obwohl außer uns keiner da war), bezahlte ich und wir gingen.

„Ich muss noch einen Abstecher zu meinem Brieffreund machen. Der ist hier am Abhang mit seiner Klasse für ein Skilager. Kommst du mit?“, fragte ich sie, mit der Hoffnung, sie würde ja sagen. Aber diese Hoffnung verging schnell: „Tut mir leid, aber ich muss noch ein paar Besorgungen machen. Vielleicht ein anderes Mal!".

Also musste ich alleine zu dem aus Innsbruck stammenden Idioten. Wieso ich ihn Idioten nenne, werdet ihr noch früh genug erfahren.

Jedenfalls ging ich in die Jugendherberge. Es war eine sehr dunkle und schmächtige Herberge.

Ich fragte den Portier nach der Klasse 8b des Regensburger Joseph – Strauß – Gymnasiums. Zweiter Stock rechts, war seine Antwort. „Ist die Klasse überhaupt da? Oder ist sie gerade weg?“ fragte ich aufgeregt.

Ich wollte endlich mal Lars sehen. „Wen suchst du denn?“. „Lars Heller!“. Der Portier suchte in seinen Unterlagen. „Ah hier. Lars Heller, Gruppe 4.“. Er fuhr mit seinem Finger über eine Liste. „Ja, Gruppe 4 ist da.“. „ Vielen Dank. Können Sie mir bitte noch das Zimmer sagen, in dem er wohnt?“. „Aber sicher! Zimmer 13. Aber die Informationen haben Sie nicht von mir, o.k.? Die Informationen unterliegen eigentlich der Schweigepflicht.“.

Ich bedankte mich bei ihm und ging hoch. Bei Zimmer 13 angekommen, klopfte ich laut an der Tür. „ Ja, wir haben aufgeräumt!“, antwortete es. „Ich  bin es, Felicio! Ist Lars da?“.

Ein riesiger, fleischiger Berg baute sich vor mir auf. „Anscheinend nicht!“, denn außer ihm war keiner im Zimmer, „Dann geh ich mal wieder. Sag ihm Bescheid!“.

Eigentlich wollte ich gerade wieder gehen, doch dann brachte das Fleisch-Monster doch einen Satz heraus: „Lars... steht vor dir“. Und aus den riesigen Glubschaugen quollen Krokodilstränen. Auf einmal wurde mir alles klar. Wieso er in seinen Briefen so geschwollen geschrieben hatte. Wieso er Selbstmordgedanken hegte. Wieso er sich nicht an Frauen ranmachte.

 „Oh, sorry, ich dachte...“, stammelte ich. Mir war das ganze unheimlich peinlich. „Ach, schon gut. Ich bin das gewöhnt! Komm rein!“

In seiner Bude sah es noch richtig ordentlich aus für einen Bayern. Aber es lag wahrscheinlich auch daran, dass er erst einen Tag bei uns war....

 

 3. Kapitel: Noch 7 Tage bis null.


In dem Gespräch, das ich mit ihm hatte, erfuhr ich, dass es noch eine Woche dauern würde. „Was dauert noch eine Woche?“. Wieso musste ich immer so neugierig sein? „Ich wäre schön blöd, wenn ich dir das verraten würde.“. „Sind Bayern etwa nicht blöd?“. „Verschwinde!“.

Er nahm irgendetwas aus seinem Reisekoffer. Ich lief zur Tür. Bei Bayern kann man nie wissen.....

Jetzt erkannte ich, was er aus der Tasche genommen hatte. Ein Gewehr, mindestens doppelt so lang wie er breit (und das soll was heißen!!). Er legte es sich auf den Arm, fummelte an dem Gewehr irgendwas herum und zielte auf mich.

„Das mit den Bayern war doch nicht so gemeint“. Ich hob vorsichtshalber die Arme. Bei Bayern kann man nie wissen... Die sind manchmal wirklich so blöd und erschießen den einzigen Freund, den sie noch haben....

„Irgendwann werden wir alle mal sterben. Bei dir ist es jetzt soweit!“. Ich versuchte, irgendwie die Tür zu öffnen.

„Vergiss es!“, sagte Lars und hielt den Schlüssel hoch. „Zugeschlossen! Jetzt kann mich niemand mehr aufhalten!“.

An der gegenüberliegenden Seite war ein Fenster. Aber es gab ein Problem: das Zimmer war im fünften Stock. Aber ich sterbe lieber durch Selbstmord, als von einem Bayern erschossen zu werden.

Also rannte ich, so schnell ich konnte zum Fenster und sprang durch das Glas. Lars schoss zwar, war  aber so überrascht, dass er mich nicht erwischte. Er guckte durch das nun kaputte Fensterglas, in der Hoffnung, mich noch zu sehen. „Irgendwann erwisch ich dich schon.... Und nicht nur dich!“. Er verschwand vom Fenster. Ich war so geistesgegenwärtig gewesen und hatte mich am Fenstersims festgehalten. Ich fühlte mich wie James Bond. Jetzt musste ich nur noch hier runter.

Zum Glück lag Schnee und ich ließ los. Der Aufprall war zum Glück nicht so laut, dass Lars es gehört hätte.

Ich rannte so schnell, dass ich es in einer halben Stunde zur Polizeistation schaffte.

Aber der Besuch brachte auch nichts. Zeugen gibt es keine und Beweise erst recht nicht. In Liechtenstein darf man nämlich  mannshohe Gewehre mit sich rumtragen, ohne dass man verhaftet wird.

Ich behielt erstmal alles für mich, außer bei meiner Aussage bei der Polizei, was an diesem Tag im Zimmer 13 passiert war. Wer glaubt schon einem Deutsch – Italiener, der in Liechtenstein wohnt und noch dazu einen Bayern als Freund hatte?

 

4. Kapitel: Bei mir geht es nur noch um Jana.

 

 

Am nächsten Tag stand ich zeitig auf, weil ich Jana unbedingt wiedersehen wollte. Das Ereignis vom Vortag war durch sie wieder schnell vergessen.

Sie war inzwischen so etwas wie eine Droge für mich geworden. Immer, wenn ich dieses schöne lockige Haar, das schmale, etwas sommersprossige Gesicht mit den kleinen Grübchen sah, wurde es heiß in meinem Körper. Eine Flamme  loderte auf. Ihr werdet jetzt wahrscheinlich denken: ´Mann, was ist das für ein kitschiges Buch! Wieso hab ich das bloß gekauft?´. Aber vielleicht ward ihr selber mal verknallt, dann wisst ihr nämlich, was das für ein geiles Gefühl ist.

Am nächsten Tag sah ich sie dann auch. Aber nicht so, wie ich es erwartet hätte. Sie saß mit Mikey in unserer Eisdiele! Ich kam mit einem Freund zufällig vorbei, als ich die beiden sah! Sie machten genau das, was wir zusammen gemacht haben (ich  mit Jana, nicht mit Mikey) – sie küssten sich.

Der Wirt hatte ein fröhliches Gesicht aufgesetzt. Wahrscheinlich, weil er wusste, dass ich mich bei ihm nie wieder blicken lassen würde.

Ich rannte jedenfalls zu dem Tisch und riss die beiden auseinander.

Nein, machte ich nicht, weil ich feiges Arschloch mich wieder verdrücken und mich bei meinem Freund ausheulen musste.

Von wegen Abschiedssex! Belogen und betrogen hat sie mich!

Ich war wütend auf sie. Andererseits liebte ich sie so sehr, dass ich für die Sache mit Mikey Ausreden suchte:

`Wahrscheinlich war sie das gar nicht, sondern Mikeys neue Freundin!`, `Das war bestimmt nur Zufall, dass ich sie so gesehen habe – sie hat ihm bestimmt nur ein Stück Praline, was er verschluckt hatte, aus dem Hals gezutscht.`. Aber verletzt war ich trotzdem.

 

 

 

 

5. Kapitel: Die Sache wird langsam etwas komplizierter.

 

 

Seit der Aktion mit dem Gewehr hab ich mich nicht mehr getraut, auch nur in die Nähe der Jugendherberge zu gehen. Es war mir unheimlich, dass ein Bayer mit einem Gewehr umgehen konnte.

Es waren angeblich nach Lars´ Zeitrechnung noch 5 Tage bis null. Aber es ging schon vorher los.

Als ich einen Diebstahl melden wollte (irgendjemand hatte mir meinen Teddy geklaut – ey, nicht lachen – das ist mein Glücksbringer! OK, ihr werdet mich für verrückt halten, aber es hat sich bewiesen!),  merkte ich schon am Anfang der Straße, dass da was vor sich hin faulte. Das stank abartig!

Ich ging in die Wache hinein – und traute meinen Augen nicht! Habt ihr schon einmal fünf Leichen auf einmal gesehen? Ich bis zu dem Zeitpunkt noch nicht. Ich beschloss, die Polizei anzurufen. In der Polizeiwache stand an der Ecke eine Telefonzelle.

Ja, nicht nur in Deutschland gibt es das, das man die Polizei kostenlos anrufen kann!

Aber es hatte keinen Sinn. Als ich nämlich anrufen wollte, klingelte das Telefon in der Wache. Ich legte auf, weil ich dachte, ich wäre das.

Das Telefon klingelte jedoch weiter. Weil ich mal wieder zu neugierig war, was ja eigentlich menschlich ist, nahm ich ab. Am anderen Ende meldete sich die piepsige Stimme von Lars. „Vergiss nicht, was ich gesagt hab! In fünf Tagen seid ihr dran!“. Dann legte er schon wieder auf. Ich hatte keine Zeit, ihm irgendetwas zu sagen. Woher wusste er, dass ich hier war? Hatte er mir meinen geliebten Teddy geklaut? Schließlich wusste er, dass der Teddy mir viel bedeutete. Und woher wusste er, dass kein Polizist abnehmen konnte, weil die schon alle tot waren – erschossen, wie es aussah? War er es am Ende? Das Ganze brachte mich so zum Überlegen, dass ich vergaß, die Polizei nochmal anzurufen. Wie es schien, hätte ich sie ja doch nicht erreicht.

Am selben Tag traf ich Jana. Sie hatte mich nicht gesehen, als sie sich mit Mikey küsste.

Ich fragte sie: „Na, hat es wenigstens geschmeckt?“. Sie antwortete: „Von was redest du?“. „Tu nicht so scheinheilig! Der Kuss gestern in der Eisdiele mit Mikey!“.

Sie schien zu verstehen, jedenfalls ihrem Gesicht nach zu urteilen. „Du weißt doch – ich liebe nur dich!“. „ Oh ja, das hat man gesehen! Weißt du was, wenn du mich eh  immer anlügst – es ist aus zwischen uns!“. Ich drehte mich um und ging zornig. Ich war stolz auf mich, weil ich  meine Angst überwunden hatte und zum ersten Mal in meinem Leben Schluss gemacht hatte, obwohl es noch gar nicht richtig angefangen hatte. Ich war zornig auf Jana, weil sie anscheinend jeden anlügt, den sie trifft. Und ich war traurig, weil ich jetzt kaum noch Freunde hatte.

 

 

6. Kapitel: Ich bekomme Angst.

 

 

Inzwischen, vier Tage vor Null, gab es weitere Morde. Die Polizei, die aus der nicht weit entfernten Hauptstadt Liechtensteins, Vaduz, kam, konnte nur feststellen, dass die Opfer, der Eisbudenverkäufer, die fünf Polizisten und zehn von geschätzten 50 Einwohnern, erschossen wurden. Auffällig daran war allerdings, dass es immer derselbe Täter gewesen sein muss. Schließlich war es immer derselbe Gewehrtyp und die Opfer wurden immer auf dieselbe Weise umgebracht.

Lars´ Klasse allerdings war unmittelbar nach den Morden abgereist.

Trotzdem machte mir das Kopfzerbrechen. In unserem Dorf besaß niemand außer dem Bürgermeister ein Gewehr, weswegen er auch festgenommen wurde. Am Nachmittag allerdings passierte noch etwas.

Alle Lehrer aus unserer Schule, auf die ich zu der Zeit nicht gehen musste, weil  Winterferien waren, die in Liechtenstein immer lang waren, wurden in der Schule in der Aula zusammengepfercht und einzeln getötet. Der Täter hatte ganze Arbeit geleistet, weil die Lehrer verstreut im ganzen Dorf wohnten. OK, 50 Einwohner sind nicht grad viel – außer den Lehrern, Schülern und Eltern wohnten hier nur der Bürgermeister, die Indianer, der Eisbudenverkäufer ,die Polizisten und die, die in der Jugendherberge arbeiteten (die in der Zwischenzeit leer war – auch die anderen Klassen waren aus Angst zurückgeflogen)

Aber zur Sache: Wer konnte es noch sein? Lars war in Deutschland und der Bürgermeister war im Gefängnis. Und sonst hatte niemand ein Gewehr, der hier im Dorf lebte. Und so grausam konnte niemand hier im Dorf sein.

Einem traute ich es jedoch zu – Lars! War er doch nicht in Deutschland? Hatte die Klasse ihn hier vergessen? Ich bekam langsam richtige Angst! Wo hatte er sein Versteck? Wer sollte sonst noch drankommen?

Ich wurde langsam ein bisschen panisch, vor allem, weil die Polizei nichts unternahm. Den einzigen Tatverdächtigen, den Bürgermeister, hatten sie freigelassen. Ich sprach mit einem Polizisten darüber: „Warum unternehmen Sie nichts? Das ganze Dorf ist in Gefahr!“. „Du hast dich nicht in Angelegenheiten der Polizei einzumischen! Wenn du einen konkreten Verdacht hast, dann sag es uns!“.

Ich musste in höchstens vier Tagen sterben – das war doch Verdacht genug!

„Hören Sie zu! Ich lebe nur noch vier Tage! Wenn Sie bis dahin nichts unternehmen, bin ich tot!

Ich hab einen konkreten Verdacht – Lars Heller. Er ist ein Brieffreund von mir und kam kürzlich mit seiner Klasse hierher zum Skiurlaub!“. „Und warum hast du den Verdacht, dass gerade er es ist?“. „Er hat ein Gewehr! Er wollte mich erschießen! Ich war in der Jugendherberge bei ihm zu Besuch und dann ist er plötzlich ausgetickt! Er wurde in der Schule immer gemobbt, weil er so dick ist. Er hatte sogar schon Selbstmordgedanken! “. „Sehr schöne Geschichte, Kleiner! Jetzt renn nach Hause zu deiner Mutti und heul dich aus, weil jemand deinen Teddy gestohlen hat!“

Niemand wollte mir glauben – ich hab es doch gewusst. Ich machte mir sogar schon Gedanken, wie es ist, tot zu sein. Mit dem Tunnel und am Ende ein Licht und so.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

7.Kapitel: Nur noch drei Tage…

 


Langsam wird es grausam. Inzwischen haben sie den Bürgermeister gefunden. Selbst seine Polizeieskorte konnte nichts gegen Lars machen. Hingerichtet – wie brutal manche Menschen sein können! Oben wird bereits diskutiert, ob man unser Dorf evakuiert. Doch es gibt kaum noch welche, die man evakuieren kann.

Könnt ihr euch vorstellen, wie es ist, fast allein in dem Dorf zu sein?

Beim letzten Auswärtsspiel der Indianer wurde extra eine Gedenkminute für die Toten eingerichtet.

Im Dorf gibt es inzwischen nur noch uns Schüler, die Eltern, die Besetzung der Jugendherberge und die Indianer. Wir Schüler und die Indianer sitzen seit gestern jeden Abend zusammen und tauschen Meinungen aus. Inzwischen sind alle meiner Meinung mit Lars – wer soll es sonst sein?

Mikey und Jana sind jetzt übrigens wieder offiziell zusammen.

Lars sollte sich Mikey mal vornehmen…

 

 

8.Kapitel: Übermorgen...

 

 

 

Überall in der Jugendherberge lagen Leichen. Angefangen vom Portier über die Putzfrau bis hin zur Essensausgabe. Wie kann ein Einzelner so viel Schrecken verbreiten? Alle auf die gleiche Weise umgebracht.

Auch bei uns Schülern gab es Verluste zu melden. Es hat noch ein paar Schüler und Eltern getroffen, und ….. meine Eltern! Ich hab Rotz und Wasser geheult! Das wird er noch büßen, dieses Schwein! Meine Eltern waren alles, was ich noch hatte. Ich war nun nichts mehr. Ich frage mich heute noch, wie ich diese Zeit überlebt hatte, ohne Selbstmord zu begehen.

Inzwischen war es auch den Indianern anzusehen, dass sie unruhig waren. Sie hatten ja keinen, der sie beruhigte.

Das war das besondere an den Indianern: Sie hatten keine Geschäftsführung, keinen Trainer, nichts. Trainieren konnten sie selber. Und wenn sie einen Neuzugang brauchten, überredeten sie einfach jemanden aus dem Dorf. Bezahlung wollten sie nicht. Und wenn mal einer zu einem besseren Verein wechselte, hatte dieser Glück: Er brauchte nichts zu bezahlen. Aber das passierte eh nicht so oft.

Inzwischen saßen wir den ganzen Tag zusammen im Vereinshaus und rannten so schnell nach Hause, wie es nur ging. Im Vereinshaus schlafen? Ging nicht! Der Platz war zu knapp!

 

 

 9. Kapitel: Vierundzwanzig Stunden noch...


Als wir an diesem Tag ins Vereinshaus kamen, überkam uns der blanke Schock: Jeder der Indianer auf grausamste Art und Weise hingerichtet! Auf dem Boden lag ein etwas zerknitterter Zettel, auf dem stand:

Ihr seid noch die einzigen, die das hier überlebt haben. Ich hab dir versprochen, Felicio, dass du morgen drankommst! Und nicht nur du……

Wir sind übrigens nicht ins benachbarte Tal gerannt, weil wir Angst hatten, dass er uns auflauert. Außerdem hat man zusammen mehr Mut.

Inzwischen musste auch Mikey in das Reich des Todes. Jana war sehr traurig, dass er von uns gegangen war. Sie versprach mir, dass sie mich liebte. Ich ihr übrigens auch, wenn sowas nicht nochmal passieren würde. Sie sagte mir, dass sie aber erstmal ein bisschen braucht, um das alles zu verarbeiten. Ich ließ ihr Zeit.

An dem Tag zählte ich die Stunden runter. Ich hatte panische Angst vor dem Tod! Wer hat das nicht? Aber ich wusste, dass ich unehrenvoll sterben würde – dass ich so wenig Ehre hatte, von einem Bayern umgebracht zu werden, hätte ich mir vorher nicht träumen lassen.

Wir schliefen diese Nacht übrigens doch im Vereinshaus. Wenn man nur noch zu fünft ist, hat man mehr Platz als wenn man insgesamt (mit den Indianern) dreißig Leute zählt.

Außer uns beiden waren noch drei Freunde von mir am Leben: Leo, Armin und Norman.

 

 

 

10.Kapitel: Unser Grab

 


Eines muss ich Lars lassen: Er ist pünktlich! Und eines muss ich unserer Regierung lassen, die uns inzwischen evakuieren wollte: Sie nicht!

Wir konnten heute die ganze Nacht kein Auge zumachen.

Plötzlich rumste es draußen im Flur. Wir wussten, dass das Lars war. Ein Bayer tritt eben die Tür ein und öffnet sie nicht ordnungsgemäß.

Schluss mit den Bayernwitzen. Wir schreckten auf, als wir das Geräusch hörten. Wir standen auf und drängten dicht zusammen, in der Hoffnung, dass er uns nicht hörte und überhaupt, wir waren noch so optimistisch, dass wir hofften, dass er uns nicht fand.

Doch falsch gehofft. Natürlich wusste er, wo wir sind. Schließlich hatte er die Indianer im selben Raum erschossen. Die Tür ging auf und Lars stand da. „In einer Reihe aufstellen! Felicio links! Erst die Arbeit, dann das Vergnügen!“. Wir standen also so (von rechts):  Erst kam Leo, dann Armin, Norman und dann wir. Die anderen waren alle Freunde von mir.

Lars fing mit Leo an, wie er es angekündigt hatte.

Bumm!  Mitten in den Kopf und Leo fiel nach hinten um.

Bumm!  Mitten in das Herz und Armin kippte ebenfalls um.

Bumm!  Mitten zwischen die Beine, Norman schrie auf, fasste sich an das Einschussloch und kippte ganz langsam nach vorne um.

„So, jetzt seid ihr dran!“

Bumm! Mitten ins Ohr – und Lars kippte um.

„Wir sollen das Dorf evakuieren!“. Ich war mal wieder von unserer Regierung überrascht. „Sie hätten  ein bisschen früher kommen können! Von 50 Einwohnern, von den öffentlichen Einrichtungen und der Fußballmannschaft mal ganz zu schweigen, sind wir beide die einzigen, die überlebt haben!“.

„ Entschuldigen Sie bitte, aber wir sind extra aus Bayern angereist!“.

Das sagt doch schon alles, oder?

 

 Nachwort


Ich hoffe nicht, dass diese Geschichte wirklich mal irgendwo passiert. Fakt ist, dass das Problem Mobbing überall aktuell ist. Die Fälle an einem Erfurter Gymnasium und in Winnenden haben gezeigt, dass man dagegen etwas unternehmen muss. Wenn man nichts dagegen macht, kann es auch sein, dass es irgendwann auch dazu kommt, dass jemand ein ganzes Dorf auslöscht. Was das eine mit dem anderen zu tun hat? Es ist ein psychologisches Problem! Man will den anderen beweisen, was man draufhat und am Ende tötet man sich aus der Feigheit, sich der Außenwelt zu stellen, selbst. Im Prinzip ist das nur eine höhere Stufe von Selbstmord.

 

 

 


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