Lehrer

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Kurzbeschreibung: Als Stephan seinem Kumpel dabei hilft, vor dessen Eltern zu fliehen, beginnt das ganze Chaos erst. Er muss viele Abenteuer durchleben, um zu verstehen, was wahre Freundschaft bedeutet.

 

 

Einleitung: Ich stelle uns natürlich erst mal vor und erläutere kurz das, was man zu uns wissen sollte.

 

 

 

 

 

Hallo, ich bin der Stephan. Zu mir gibt es nicht sehr viel zu sagen. Ich lebe in Kaiserslautern. Den Ort kennt ihr bestimmt vom Fußball her.

Dennoch weiß kaum ein Mensch, wo meine Heimatstadt liegt. Ich werde es euch sagen: sie liegt östlich vom Saarland, in Rheinland-Pfalz. Sie ist in etwa so groß wie Nürnberg oder Dresden.

Meine nachfolgenden Freunde und ich, wir gehen auf die Damm-Schule Kaiserslautern. Sie heißen Emil und Katharina. Ich finde, dass Katharina ein schöner Name ist. Nicht nur deswegen ist Katharina meine Freundin. Ich pflege eine leidenschaftliche Beziehung zu ihr (falls jemand weiß, was ich meine (natürlich ohne Sex)). Sie ist hübsch, klug und manchmal ein bisschen zickig – trotzdem ein Bild von einer Frau. Emil weiß nichts von unserer „leidenschaftlichen Beziehung“. Nicht mal unsere Eltern wissen davon – wir treffen uns zu geheimen Zeiten an geheimen Orten.

Nun zu unseren Familien. Emils Eltern sind eigentlich ganz nett (er behauptet immer, sie würden ihn schlagen, aber die sind so nett, dass ich ihm das nicht glaube). Er hat auch einen Bruder – Lukas. Der ist einer von den coolen Typen. Er sieht cool aus und hat die coolsten Sachen.

Aber mal ehrlich – cool sein ist doch nicht alles. Ich zum Beispiel bin das genaue Gegenteil von ihm und pflege trotzdem eine leidenschaftliche Beziehung. Er hat ja noch nicht einmal ein Mädchen auf freundschaftlicher Basis. Ich jedenfalls finde solche Typen scheiße.

Katharinas Eltern find ich auch nicht besser – total die Rassistenschweine! Jedenfalls wollen sie nicht, dass ihre Tochter einen Ausländer heiratet. Da hätte ich schlechte Chancen, weil ich nämlich ungewollt in Tschechien zur Welt gekommen bin!

Wo wir auch schon bei meiner Familie sind. Meine Schwester ist Zicke und Nervenpacket in einem. Ich denke immer an sie, wenn ich Haustiere sehe, deren Namen gleichzeitig  Schimpfwörter in der deutschen Umgangssprache sind.

Und meine Eltern erst – nervig, nervig, nervig . Ein Lehrer wird auch eine sehr wichtige Rolle spielen: Hr. König. Er ist streng und ich glaube sogar, dass er zur Mafia gehört – so wie der immer dreinschaut! Naja, nun wünsche ich noch unterhaltsames Lesen der nachfolgenden Geschichte!                               

 

1.Kapitel: Ich reiße aus, finde einen Unterschlupf und  werde Zeuge eines grausamen  Verbrechens.

 

Eines Abends, als ich (mal wieder) fernsah, kam meine Mutter spät nach Hause. Sie konnte es kaum fassen, dass die Glotze schon wieder lief, rastete aus und sperrte mich in mein Zimmer.

Vor lauter Wut packte ich meine Sachen und sprang aus meinem Fenster. Ich war schon an der nächsten Kreuzung, als ich mich fragte, wohin ich eigentlich gehen sollte. In solchen Situationen  fällt mir eigentlich nie was ein, aber diesmal war es einer dieser Ausnahmefälle, denn eine innere Stimme sagte mir: „Geh doch zu Emil“, was ich dann auch tat.

Der Weg zu ihm war einfach: nach der Kreuzung erste links, dann dritte rechts und ein Stück weit laufen.

Als ich an der Villa klingelte, fragte ich mich, ob sie mich überhaupt reinlassen, denn sie waren reich. Emil hatte mit mir nie über Geld geredet, aber ich wusste auch so, dass sie reich waren – woher sollten sonst die Handyrechnungen bezahlt werden (er telefonierte fast jeden Tag mindestens 2 Stunden mit einer Freundin, die 1 Jahr auf Studienreise nach Australien geflogen ist.......)?

Eine vornehme Stimme erklang an der anderen Seite der Videokamera-Sprechanlagen-Hightech-Klingel: „Wer bist du?“. „Ich bin der Stephan, der Freund vom Emil. Kann ich reinkommen?“, antwortete ich sofort. Es ertönte eine lange Pause am Ende der Leitung.

Ich erkannte die etwas in den Stimmbruch geratene Stimme von Emil, die sich gerade mit seinem Vater zoffte. Ich hörte einige Wortfetzen wie „zu spät“, „reinlassen“ und „spinnst“. Schließlich ertönte die hohe Stimme von Emil: „Du kannst reinkommen.“.

Danach ging das Tor auf und ich lief hindurch.

Die Spätzles (so heißen sie – komischer Name, oder?) hatten einen wunderschönen, großen Garten. Er war in acht Vierecke geteilt. Auf jedem Rasen und Blumen in unterschiedlichen Farben. Am Rand waren von innen nach außen Rosen, Tulpen, Nelken und Veilchen angeordnet. Über dem Hauptweg waren Bogen gebaut, auf denen sich Efeu breitmachte.

Als ich dann endlich den riesigen Garten durchquert hatte, hielt Emil mir schon die Tür auf. Als er fragte, was los sei, antwortete ich bloß: „Ach, es gibt nur wieder Zoff. Kann ich reinkommen?“. „Aber natürlich!“. „Ich wollte dich nur fragen, ob ich bei dir pennen kann.“.

In meiner Stimme lag ein Hauch von Nervosität, die sich ganz langsam in meinem Körper breitmachte, weil ich sonst keinen Unterschlupf finden würde. „Ich werde meine Eltern fragen!“ antwortete Emil.

Ich bedankte mich bei ihm und ging auf sein Zimmer. Ich hörte lautes Geschrei aus dem Wohnzimmer und versuchte, es zu ignorieren, denn ich war hier ja nur Gast und wollte keinen Ärger stiften.

Aber schließlich hörte ich einen lauten Schrei, der so klang, als ob jemand verletzt wäre. So schnell wie es nur ging, trugen mich meine Füße in das Wohnzimmer der Spätzles. Was ich da sah, ließ mir das Blut in den Adern gefrieren.

Emil stand da, mit dem Rücken zu  mir. Sein Po war rot und zwischen seinen Beinen tropfte...... Blut. Ja, ihr habt richtig gelesen: Blut. Ich konnte nicht sehen, von welchem Körperteil, aber ich hätte schwören können, von seinem P.... . Nun ja, auch ein begabter Künstler vermalt sich mal, denn als er sich umdrehte und an mir vorbei aus dem Wohnzimmer rannte, sah ich, wie sein Vater (der vorher von ihm verdeckt worden war) ein Messer in der Hand hielt und Emils gesamter rechter Arm blutete.

Sein Vater schrie ihm hinterher: „Das soll dir eine Lehre gewesen sein!“. 

Ich rannte meinem Kumpel hinterher und machte mir dabei schwere Vorwürfe. Denn ich war ja derjenige, weswegen sein Vater  ihm den Arm aufgeschlitzt hat.

Als ich dann auf seinem Zimmer war sagte ich ihm:  „Wir müssen sofort die Polizei und den Krankenwagen verständigen“  „ Das können wir machen, wenn wir hier weg sind“.

Er packte schnell seine Sachen zusammen und rannte, so schnell er konnte, zur Tür, riss sie auf und rannte weiter zum Gartentor.

Ich rannte immer hinter ihm her, weil ich sehr unsportlich bin. Als wir am Gartentor angekommen waren, fragte er mich:   

„Hast du Geld dabei?“.  „Wozu?“.   „Für die Telefonzelle!“ 

„ Ist doch kostenlos!“.    „Stimmt ja!“. Er schnappte sich ein Fahrrad aus der Garage und klaute für mich auch noch eins von seinen Eltern. Wir fuhren zur nächsten Zelle auf der Schevenstraße, die nicht grad nah lag.

Ich rief ihm zu, dass er warten soll. Dann rief ich die Polizei und den Krankenwagen.

 

Sein Vater saß ein halbes Jahr später im Knast und musste dazu noch in die Psychoanstalt gehen.

Aber zurück zu uns. Emils Mutter hielt fest zu ihrem Mann, was ich immer noch nicht glauben kann. Deshalb konnte er das Krankenhaus nicht bezahlen. Und da meine immer noch auf meine Rückkehr wartete, saßen wir ganz schön tief in der Patsche.

Emil sagte, dass ich bei seiner Mutter ein bisschen Kohle klauen sollte, weswegen er mir einen Plan mit allen Alarmanlagen im Haus seiner Familie gab. Er beschrieb mir genau, wo das Geld war.

 „Und lass dich nicht von meiner Mutter erwischen.“.

Also machte ich mich in der Nacht nach der Besprechung auf, das Geld zu klauen. Eigentlich war ich nicht so geeignet dafür, da ich ja so unsportlich bin. Als ich über das Gartentor geklettert war, zündete ich eine Zigarette an und rauchte. Ihr denkt vielleicht, das wär der ungünstigste Zeitpunkt für so was, aber das brauchte ich, um die Laserstrahlen zu erkennen, die am Boden waren. Ich stieg erfolgreich durch diese hindurch. Als ich an der Tür war, holte ich meinen alten Dietrich hervor (ein Werkzeug). Trotz seinem Alter funktionierte er noch gut und ich kam unverletzt durch die Tür. Nun will ich nicht mehr lange reden und gleich zum Punkt kommen. Ich schlich mich also zu dem Versteck und überwand dabei alle Fallen. Zwar mit Glück, aber immerhin habe ich es geschafft. Als ich am Tresor angekommen war, klaute ich alles, was darin war. Dann rannte ich zurück zum Gartentor, nur machte ich einen entscheidenden Fehler. Als ich drin war, kam eine leichte Brise auf, sodass der Rauch langsam „verrauchte“. Folglich waren, als ich raus kam, nur noch ein paar Laserstrahlen sichtbar. Deswegen ging die Alarmsirene los, als ich das Gartentor „überqueren“ wollte. Ich blieb mit meiner Jacke hängen und hörte schon einen Warnschuss. Ein weiterer Schuss ging knapp über meinen Kopf hinweg. Der zerfetzte meine Jacke und ich war frei. Sofort schwang ich mich mit der Beute auf das ebenfalls erbeutete Fahrrad und radelte zum entlegenen Eugensberger Platz, wo eine verlassene Bude stand, in der ich zwischenzeitlich wohnte.

 

 

Ein Tag nach der Tatnacht brachte ich Emil die gute Nachricht und seine Deutscharbeit, in der er und ich eine 5 hatten. Uns beiden kam es so vor, dass da was anderes stand, als wir hingeschrieben hatten. „Ich erinnere mich genau, dass ich da Hauptsatz hingeschrieben habe und nicht Adversativsatz. Ich weiß noch nicht einmal, was das überhaupt ist!“,  sagte Emil, “Irgendwas ist da faul!“. Ich antwortete: „Vielleicht ist Herr König ja ein  Hexer........“ 

 

 

 

 

2. Kapitel: Wir haben eine „großartige“ Idee mit einigen  Hindernissen und wir werden verfolgt.

 

Vielleicht war diese Idee gar nicht so abwegig.... , aber vorerst hielten wir sie für gehirntot – woher sollte er die Zauberkräfte hernehmen? Und ausserdem gibt es keine Zauberer oder Hexer oder so ein Mist, oder?

Naja, gehen wir erstmal in der Geschichte weiter. Denn ein paar Tage danach bekamen wir Hunger. Emil hatte ich bis dahin immer was vom Schulessen mitgebracht. Aber langsam wurde der Hunger grösser als das Essen (das Geld, das ich geraubt hatte, wollten wir uns übrigens auch für später aufheben, außerdem hatten wir schon einen großen Teil davon für die OP von Emil ausgegeben, da die Krankenkasse das nicht bezahlen wollte).

Bei uns gab es zu der Zeit noch keine Armenküche. Also mussten wir uns was überlegen, um ans Geld zu kommen. Und da Emil noch im Krankenhaus lag, musste ich mal wieder ran. Da gab es nur drei (illegale) Möglichkeiten:

1.   Ich mache einen auf Parklückenzuweiser, was mir zu albern war und ausserdem nicht viel Geld eingebracht hätte,

2.   Ich raube, was ich nach dem Einbruch in Emils Villa nicht nochmal versuchen wollte, oder

3.   Ich gehe auf den Schwulenstrich (nicht, dass ich schwul wäre – es ging lediglich ums Geld).

Keine der drei Möglichkeiten sagte mir so richtig zu, aber ich musste mich für eine entscheiden. Letztlich entschied ich mich dann für den Schwulenstrich. Es war eine schwere Entscheidung für mich  (wenn mich irgendjemand dabei gesehen hätten, wäre ich sowieso in den Knast gekommen).

Ich durfte nicht zu auffällig arbeiten, sonst wär ich womöglich  einem Zuhälter in die Hände gefallen, was ich nicht wollte. Außerdem wusste ich gar nicht, wo in dieser Stadt ein Schwulenstrich sein sollte. Emil sagte, am Bahnhof sei einer. Ich fragte ihn, woher er das wußte und er antwortete: „Ich kenne mich eben in dieser Stadt besser aus als du“ (ohne Kommentar…).

Also ging ich zu diesem grauenvollen Ort. Dabei hatte ich die ganze Zeit das Gefühl, als ob mich jemand verfolgen würde. Es war Abend und windig, deswegen kann es genauso gut sein, dass es der Wind war. Trotzdem hatte ich ein komisches Gefühl.

Als ich endlich  am Bahnhof war, sah ich eine Reihe Männer an einem Gehweg stehen. Da es genauso gut sein konnte, dass das Taxifahrer waren, die auf Kunden warteten (wobei ich weit und breit kein Taxi sah), fragte ich einen der Männer. Er sagte: „Ja, das hier ist der Schwulenstrich. Was dachtest du denn? Etwa der Zoo?“. „Nein, ich dachte, das hier wäre eine Seniorengruppe auf Wanderschaft!“. „ Willste n paar auf die Fresse?“. „ Nee, danke, ich will nicht gleich beim ersten Mal was auf die Fresse bekommen!“. „Das erste Mal Sex oder das erste Mal Schwulenstrich?“. „Beides!“. „Ooh, du Armer!“. „Wieso, ist das erste Mal etwa schwer?“. „Welches?“. „Na, beide!“. „Achso, naja, jedes von beiden allein ist schon schwer!“. „ Bist du etwa nicht schwul?“. „ Wieso sollte ich das sein?“... . So ging unser Gespräch immer hin und her, bis dann endlich ein Kunde kam und ausgerechnet mich aussuchte. Ich fragte ihn: „ A****f***** oder nur runterholen?“. Er antwortete: „Wär ich denn schwul, wenn ich mir eh immer einen runtergeholt hätte?“. Offenbar ein Philosoph. Einen schwulen Philosophen beglückt zu haben, kann auch nicht jeder von sich behaupten.

So ging das den ganzen Abend. Jeder Kunde, der auch nur halbwegs pervers dachte, nahm mich. Ich hoffte, dass sich die anderen vom Strich mich nicht verprügelten, weil sie neidisch waren. Aber es blieb alles so, wie ich es wollte. Am Ende hatte ich dann 500 Euro zusammen und ich war zehnmal hintereinander entjungfert wurden. Bei jedem hatte ich rein rechnerisch 50 Euro „erbeutet“.  Das reichte zwar erstmal, jedoch nicht lange. Ich musste bald wieder dorthin. Aber was mir komisch vorkam, war, dass ich jedes Mal, wenn ich in einem Auto saß, das Gefühl hatte, dass jemand hinter uns war und uns beobachtete.

 

3.   Kapitel: Emil wird entlassen. Was wird nun aus ihm?

 

Ein paar Tage später waren Emils Wunden abgeheilt. Die Ärzte hatten ihm den Arm „geflickt“ und die Wunden am Hintern waren schnell wieder verheilt.

Als also alles verheilt war, sagte die Schwester: „Du kannst jetzt nach Hause verschwinden. Ich habe deine Mutter telefonisch verständigt. Sie sagte, sie hätte nicht gewusst, dass du hier bist. Du Bengel hast ihr also doch nicht gesagt, dass er hier steckt“, sagte sie, zu mir gewand.

„Deine Sachen sind gepackt. Deine Mutter müsste gleich da sein.“.

Damit hatten wir nun wirklich nicht gerechnet. Wir mussten so schnell wie möglich abhauen. Emils Mutter wusste nun, wo wir stecken. Emil nahm seine Sachen und wir rannten auf die Straße. Wir rannten irgendwohin. Nach einer Weile kam mir die Straße, auf der wir liefen bekannt vor. Mir kam eine Idee.

„Hier links!“, schrie ich. Emil fragte, was denn los sei. „Du wirst schon sehen. Folg mir einfach.“ Ich lag richtig. Mir fiel ein Stein vom Herzen. Das hier war definitiv die Straße, auf der meine Geliebte Kathi wohnte. Da drüben war die Wohnung von ihr. Ich hoffte, dass sie da war.

Ich klingelte. Niemand machte auf. Ich klingelte nochmal. Da machte sie auf. Die Frau meines Lebens. „Hallo Kathi! Wir erklären dir alles, wenn wir rein dürfen!“, sagte ich, völlig außer Atem.

Sie ließ uns rein und bot uns etwas zu Essen und zu Trinken an, aber wir lehnten dankend ab. Dann erzählten wir alles, von Emils Vater über Herrn König bis hin zum Schwulenstrich. Ihre Reaktion konnte ich schlecht abschätzen. Entweder war es der Schock oder der Schwulenstrich. Jedenfalls gab sie Emil einen Kuss! Ich versicherte ihr, dass das mit dem Schwulenstrich nur des Geldes wegen war und ich es nicht gern gemacht hab.

„Aber in einem Krankenhaus gibt es Kantinenessen!“. Emil grinste. Er hatte mich reingelegt. Ich bin also umsonst auf dem Schwulenstrich gewesen. Ich ging auf ihn los. „Ich glaube, wir müssten uns mal dringend unter 4 Augen unterhalten“, sagte Kathi zu mir und wir gingen ins Nebenzimmer. „Ich glaube es dir ja, dass du es nur wegen dem Geld gemacht hast.“. „Ach ja? Dann beweis es“.

Dann küsste sie mich so lang und leidenschaftlich, dass ich es mein ganzes Leben nicht vergessen werde.

Nachdem wir fertig waren (ich dachte schon, wir hätten für immer zusammengeklebt, was mir natürlich gefallen hätte), fragte ich sie, wieso sie ihn dann geküsst hätte.

Sie sagte, dass ich es noch früh genug erfahren würde. Wir hörten eine gewaltige Stimme aus dem Zimmer, in dem Emil saß.

„Ach, du! Ist denn dieser Tscheche auch da? Wenn ja, dann zerquetsche ich ihn, bis das Blut aus ihm spritzt.“. Oh nein, damit hatte ich schon genug Erfahrung gemacht. Kathi versteckte mich auf dem Balkon. Ich frage mich, wer ihm das gesagt hat, dass ich ein Tscheche bin. Tina hatte ich es absichtlich verschwiegen.

Emil, dieses Schw...

 

 

Was wollte ich eigentlich auf dem Balkon? Der Vater hätte mich eh früher oder später entdeckt, also sprang ich runter.          

 

Es ist ja nicht so, dass ich lebensmüde gewesen wäre. Ich hatte nur panische Angst vor dem Vater von Kathi.

Merkwürdig war aber, dass ich während dem Fall einen höllischen Schmerz spürte. Beim Aufprall auf dem harten Asphalt tat nichts weh. Es war, als hätte mich sowas wie ein Schutzengel beschützt. Keine Beule, kein blauer Fleck, noch nicht einmal eine winzig kleine Schramme. Dabei war ich froh, dass ich nach einem Sprung aus dem vierten Stock überhaupt noch lebte.

Emil hatte natürlich dem Vater von Kathi gepetzt, dass ich da war. Aber als er niemanden fand, legte er sich ins Bett. Als er eingeschlafen war, rannte Kathi auf den Balkon, fand mich aber nicht. „Hier unten“, rief ich. Sie erschrak und stürmte die Treppe runter. Emil kam nach. Sie fragte natürlich, wie es mir ging. Als sie erfuhr, dass mir nichts passiert ist, fiel sie mir um die Arme. Emil sagte, wie immer ganz selbstlos: „Lass ihn hier! Wir brauchen ihn nicht mehr! Wir könnten jetzt hochgehen und …!“.

„Oh nein! Hier ist Schluss. Ich mach deinen Plan nicht mehr mit. Ich kann nicht mehr. Merkst du nicht, wie fertig du mich machst? Ich kann keine Stunde mehr schlafen wegen dir!“, sagte Kathi. Ich fragte mich, von was für einem Plan sie redete, hielt jedoch erst mal den Mund. Ich hatte mein Leben schon oft genug aufs Spiel gesetzt. „Das muss aber in einem Monat fertig sein!“, sagte Emil entnervt. Da kam mir eine Idee. „Sagt mal, redet ihr von der Modenschau in der Schule?“, fragte ich. „Ja, aber sie kriegt nichts hin. Die Kollektion muss in einem Monat fertig sein.“, sagte Emil.

Die Modenschau war eine Veranstaltung im Rahmen eines Projektes. Dabei musste eine Klasse in der Schule jeden Monat vorstellen, wie sie denken, wie ein bestimmter Beruf auszusehen hat. Wir waren nächsten Monat dran und hatten das Thema „Models und Marken – Wer steckt hinter dem Entwerfen von Kleider und Modenschauen? Entwerft hierzu eine Modenschau eurer Wahl und beantwortet die Frage kurz.“.

„Wisst ihr was? Ich helf euch mit!“. Kathi war sofort einverstanden. Sie musste jedoch erheblich Aufwand damit betreiben, dass Emil endlich auch einverstanden war.

 

 

 

 

4.   Kapitel: Stress und Schule – wie kriegt man das unter einen Hut?

 

Wir hatten inzwischen die Arbeit aufgeteilt. Ich machte die Entwürfe, Emil besorgte den Stoff und Kathi nähte.

Nach drei Wochen hatten wir Kleidungsstücke für ungefähr  zehn Personen. Wir sind in der Klasse 23 Personen. Also hatten zehn Personen noch nichts zu tun. Wir brauchten jedoch noch welche, die sich darum kümmern, was hinter den Kulissen abgeht, also schminken, Kostüme bereitlegen, usw. Nach drei Wochen hatten wir also das gesamte Rahmenprogramm absolviert.

Wir bekamen in den drei Wochen jede Menge Anschisse, weil wir nicht gelernt hatten. Wie auch, schließlich hatten wir viel zu tun.

Das machte sich aber auch in unseren Zensuren bemerkbar. Stand ich in Bio vor dem ganzen Drama noch auf 1,8, bin ich in dem Zeitraum von drei Wochen auf eine glatte 3,5 abgerutscht. Das liegt vor allem daran, dass wir eine Lehrerin haben, Frau Gäre, die jede Stunde einen Test schreibt und bewertet.

Aber mir war das ziemlich egal. Schule ist zwar wichtig, aber schließlich nicht etwas, was man zum Überleben braucht.

Das bekam ich vor allem mit, als wir wieder mit Herrn König Unterricht hatten.

Knapp zwei Wochen vor der Modenschau bat er mich zu einem Gespräch unter vier Augen. Ich hatte keine Ahnung, worum es geht, schließlich stand ich in Deutsch auf einer sicheren, aber schlechten Drei (dank der 5, die keine war). Herr König ist ein großzügig gebauter, mittelgroßer Mann mit Stoppelbart und hellbraunen Haaren mit etwas „Kahlschlag“.

Als ich in sein Vorbereitungszimmer trat, bot er mir ungewohnt freundlich, einen Stuhl und Kekse an. Ich setzte mich, nahm einen Keks und kaute ihn  ordnungsgemäß runter. Schließlich ist es unhöflich, wenn man einen sehr trockenen und steinharten Keks wieder zurücklegt.

Herr König fing an. Ich fühlte mich irgendwie wie in einem Horrorfilm. Es war, als wär ich beim Psychologen. Etwas zog mir die Antworten förmlich aus dem Mund. Ich kann mich an nichts mehr erinnern, nur noch an den Schluss.

Er sagte etwas Komisches: „Ich beobachte dich! Ich weiß alles: das mit Katharina, das mit dem Diebstahl und das mit dem Vater von Emil. Wenn du etwas Falsches machst, bin ich da.“

Ich war froh, als ich da raus war. Ich schluckte noch einen Krümel von dem Keks runter, als mir ein Gedanke kam. Hätte ich den Keks nicht gegessen, wüsste ich, was ich gesagt hab.

Ich rannte zu Tina und erzählte ihr, was passiert war. Sie war schockiert, weil niemand von unseren Kreationen erfahren sollte.

Ich erzählte es auch Emil, der darauf nur erwiderte: „Na und?“

Ich glaubte langsam, er will nichts mehr mit uns zu tun haben. Zumindest sah es so aus. Wahrscheinlich hat er das rausbekommen mit mir und Kathi.

Was ich aber immer noch nicht verstehe: Wie kann ein Keks eine solche verheerende Wirkung haben? Bisher hatte ich das nur bei einem bekannten Zauberlehrling erlebt, den ich jetzt hier aus rechtlichen Gründen nicht nennen will. Ich sage nur: reicher als die Queen!

Wir fieberten jedenfalls alle nur noch der Modenschau entgegen.

 

 

 

 

5. Kapitel: Nur noch eine Woche bis zur Schau.

 

Eine Woche vor der Schau hatte ich einen Traum, den ich so schnell nicht vergessen werde: Ich sah das Gesicht von Herrn König mit seiner Fast-Halb-Glatze und danach Blut, viel Blut. Und danach lachte das Gesicht von Herrn König und sagte: „Du bist auch bald dran! Harrharrr!“

Ich wachte schweißgebadet auf und stieg aus meinem Bett, weil ich eh raus musste.

Man sagt ja immer, Träume haben nichts zu sagen. Aber daran glaube ich nicht mehr. Wollt ihr wissen, warum? Als ich in die Schule kam, traute ich meinen Augen nicht: Das Gelände war abgesperrt, Polizei war da. Ich fragte eine Klassenkameradin, was denn hier los ist und bekam prompt die Antwort: In der Nacht gab es ein Blutbad in der Schule. Drei Schüler sind ums Leben gekommen, allerdings ohne Fremdeinwirkung(?).

Mir kam plötzlich ein Gedanke. Ich traute mir jedoch nicht, etwas zu sagen. Herr König ist ein Zauberer, er hat sie mit Magie umgebracht! Ich hätte mir selbst nicht geglaubt, wenn ich den Traum nicht gehabt hätte.

Da kam auch schon Kathi. Emil verspätete sich immer ein bisschen. Ich erzählte ihr alles, mit der Gefahr, sie würde mich für einen Idioten halten, was sie jedoch nicht tat. Sie beruhigte mich erstmal.

Dann war Emil auch plötzlich auf dem Schulhof. Er kam jedoch nicht zu uns. Er ging zu einer anderen Gruppe, die auch auf dem Schulhof stand. Wahrscheinlich fand er die cooler als uns. Ich schlich mich ran, mit der Hoffnung, ein paar Wortfetzen mitzubekommen.

Die wenigen, die ich mitkriegte, reichten mir schon. Ich wäre beinahe umgekippt. Er hatte genau denselben Traum wie ich. Komisch, oder?

Der Schulleiter sagte uns dann nach ein paar Minuten, dass wir nach Hause gehen können und ab morgen auf eine Ersatzschule verschoben werden sollten.

Ich fing Emil auf dem Nachhauseweg ab und redete mit ihm über den Traum. Er sagte: „Das ist Zufall, dass wir beide denselben Traum hatten. Wahrscheinlich hab ich mich bei dir angesteckt! Dummheit ist nämlich übertragbar!“. Dann verschwand er und ich ging allein nach Hause.

Toll! Jetzt hatte ich einen Freund weniger und einen Feind mehr. Das Leben kann manchmal ganz schön unfair sein!

 

6. Kapitel: Die Schau wird hoffentlich alle begeistern!

 

Endlich war es soweit: Der Tag der Modenschau begann! Schon beim Aufstehen war ich gut drauf, aber auch etwas aufgeregt: Wie wird der Schule die Vorstellung gefallen? Was für eine Note bekommen wir darauf? Die Note war eine Deutsch – Note. Herr König sollte also der Modenschau zugucken. Deswegen hatte ich auch ein bisschen Angst. Aber wovor eigentlich? Ich hatte nichts zu befürchten. Aber mein Gefühl sagte mir, dass ich lieber vorsichtig sein sollte.

Zurück zur Modenschau: Der Steg, auf dem die Models langlaufen sollten, war ein Weg auf dem Schulhof. Dahinter war ein weißes Bettlaken gespannt, hinter dem sich die Models schminkten und umzogen. Als ich an der Schule ankam, war alles so, wie ich mir das vorgestellt hatte. Der Steg war mit Absperrungsbändern abgespannt, die wir von unserer eigentlichen Schule mitgenommen hatten.

Ich fragte bei der Maske nach, ob alles in Ordnung war und ging dann zum Herrn König, um mich mit ihm zu unterhalten. Doch da sah ich Kathi. Ich ging erstmal zu ihr und fragte sie, ob sie auch so aufgeregt sei. Natürlich war sie aufgeregt und so gingen wir händchenhaltend (weil es eh schon die ganze Schule wusste) zu Herrn König.

Da sahen wir plötzlich Emil. Aber er stand nicht bei seinen Freunden, wie er es sonst in letzter Zeit so häufig machte, sondern lag auf dem Boden, blutdurchtränkt. Er war tot. Plötzlich fielen auch wir um. Kurz darauf befanden wir uns in einer riesengroßen Halle. Das Komische an der Halle war, dass sie brannte.

Wir waren in der Hölle, im wahrsten Sinn des Wortes. Am anderen Ende der Halle war eine Person. Sie schwebte über vier offenen Gräbern. Wir mussten ein paar Schritte gehen, um zu erkennen, wer diese Person war.

Wir, immer noch händchenhaltend, erschraken, als wir sahen, dass das Herr König war. „Eure Gräber stehen schon bereit!“, sagte er siegeslüstern und zeigte auf 2 weitere ausgegrabene Löcher am Rand der Halle. „Warum haben Sie die drei Schüler und Emil umgebracht?“, fragte ich, in Anlehnung an ein paar Actionfilme, bei denen die Hauptfiguren vor ihrem Tod noch mit ihrem Mörder sprechen, um die Spannung zu halten.

„Sie hatten zu viel Hass in sich. Ihr müsst wissen: Ich bin Stellvertreter Satans an dieser Schule. Er hat mich mit den nötigen Kräften ausgestattet, um in eure Seelen zu sehen. Alle, die Hass in sich tragen, gehören in die Hölle!“. „Und wieso müssen wir jetzt sterben?“, fragte ich so zitternd, als hätte ich gerade geduscht und würde gerade auf einem Hochspannungsmast sitzen. „Ihr? Ihr habt zu viel Liebe in euch! Die Menschheit braucht keine Liebe, sonst stirbt sie am Ende aus!“. „Und warum dann dieses Vier-Augen-Gespräch, bei dem ich nichts mitbekommen hab?“, fragte ich, schwitzend, zitternd und fast kurz vorm Heulen. „Meine Kontrolle über dich hatte nachgelassen, nachdem du sie so stark geküsst hast“, sagte er, so cool wie ein Schneemann. Dieser Satz genügte. Wir wussten, was zu tun war!

Kathi fiel mir um den Hals und unsere Zungen veranstalteten einen Ringkampf, so intensiv und so feucht wie seit dem Balkonsturz von mir nicht mehr. Und während diesem Kuss fiel Herr König in sich selbst zusammen.

Sein ganzer Körper zerfiel zu Asche. Erst der Kopf, dann die Arme und Hände, danach der Rumpf und schließlich die Beine.

Und plötzlich befanden wir uns auch nicht mehr in der Hölle, sondern zurück auf dem Schulhof. Die ganze Schule sah uns, wie wir uns auf dem Laufsteg küssten – und klatschte! Selbst die Lehrer und der Schulleiter! Wir verbeugten uns und merkten erst jetzt, dass die Modenschau schon vorbei war! Ich wollte am Ende noch die Fragen beantworten, die uns gestellt wurden, aber ich bekam kein Wort heraus. Es war der geilste Kuss im Universum!

 

Nachwort: Was passierte mit den Personen?

 

Ich bin jetzt Fußballer und spiele beim FCK. Zwar in der zweiten Mannschaft, aber wenigstens bekomme ich Geld dafür.

Kathi ist eine sehr erfolgreiche Rechtsanwältin geworden.

Ich und Kathi sind inzwischen verheiratet und haben Kinder. Zwei, um genau zu sein. Sie heißen Ernie und Bert.

Emil und die drei anderen Schüler konnten wir mit unserem Kuss nicht zum Leben erwecken. Desto öfter ich an Emil denke, umso weniger kann ich ihn verstehen. Wieso hat er mir die Tür aufgemacht und mich dann abgewiesen? Sein Tod hat mich am tiefsten getroffen. Wahrscheinlich war es seine Sehnsucht, richtige Freunde zu haben, die ihn schließlich umbrachte.

Mittlerweile vertrage ich mich mit meiner Mutter wieder. Ich hab dann schließlich eingesehen, dass es ein sinnloser Grund war, weswegen ich abgehauen bin.

Das mit Herrn König haben wir nie jemanden erzählt – uns würde eh jeder für verrückt halten.

Satan treibt immer noch sein Unwesen an deutschen Schulen.

Der Vater von Kathi hat immer noch was gegen mich. Aber nicht mehr allzu viel.

Der Typ am Schwulenstrich hat den Ausstieg aus dem Geschäft geschafft und ist jetzt Imbissbudenverkäufer.

Emils Vater sitzt immer noch im Knast.

Sein Bruder ist jedoch, als er gestorben war, zum Streber konvertiert. Hat ihn ganz schön mitgenommen!

Die Moral ist natürlich: Selbst wenn du nur zu zweit bist, kann Liebe den Teufel besiegen.

Eine kleine Weisheit von mir noch zum Schluss: Das Gute oder das Böse können nicht existieren, wenn das andere nicht existiert, weil beide voneinander abhängig sind. Das heißt also, wenn das Gute das Böse besiegt oder andersrum, gibt es kein Leben mehr, weil dann unser Zweck zu leben, erfüllt wäre.

 


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